Disziplinen, Wissenswertes
Das Speerwerfen
23. Mai 2009 | David May
Speerwerfen © flickr/pleeker
Schon unsere Vorväter schleuderten den Speer auf der Jagd nach ihrem Abendessen. Wann genau der erste Wettkampf in dieser Richtung stattfand, ist allerdings nicht überliefert. Mit an Stöcken festgebundenen Steinspitzen erlegten die urzeitlichen Jäger ihre Beute. Heute geht das Kräftemessen in dieser Disziplin weiter – ohne Beute.
Bei den alten Griechen war der Speerwurf eine der Disziplinen des Pentathlons (antiker Fünfkampf) und im 18. Jahrhundert erfreute sich diese Sportart vor allem in Skandinavien, besonders in Finnland, großer Beliebtheit. Um 1900 etablierte sich der Speerwurf in seiner heutigen Form und wurde so 1906 bei den Männern und 1932 bei den Frauen endlich wieder olympisch. Lange Zeit dominierten Skandinavier das Bild dieser Disziplin.
Neben dem Hürdensprint und dem Stabhochsprung ist das Speerwerfen eine der anspruchvollsten Disziplinen in der Leichtathletik. Diese Tatsache lässt sich vor allem auf den komplizierten Bewegungsablauf der Werfer zurückführen. Unter heutigen Wettkampfbedingungen erreichen die besten männlichen Speerwerfer fast 100 Meter, die besten Frauen um die 70 Meter. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden sogar Weiten bis über 100 Meter geworfen, doch aus Rücksicht auf die Stadiengrößen und damit aus Sicherheitsgründen erließ die IAAF, der internationale Dachverband der Leichtathletik, ein neues Reglement, demzufolge der Schwerpunkt der Speere verändert werden musste, um eine Verkürzung der Flugphase zu erreichen.
Der Speer besteht aus drei Teilen: dem Kopf, dem Schaft und dem Kordelgriff, hinter der der Speer meist mit Daumen und Zeigefinger gehalten wird. Es gibt verschiedene zulässige Griffarten. Der Speer besteht aus Holz, Metall oder Karbon und wiegt nach internationalen Standards 800 Gramm bei den Männern und 600 Gramm bei den Frauen bei einer Länge von 2,60-2,70 Metern (bei den Frauen 2,20-2,30 Meter).
Abgeworfen wird der Speer nach einem kurzen Anlauf von einem vier Meter langen Abwurfbalken, der nicht betreten oder gar überschritten werden darf, wobei die Schwierigkeit in der Synchronisierung des Schwungholens und des Abwerfens liegt. Der Speer muss für einen gültigen Wurf mittig und mit der Spitze nach vorn getragen werden. Die Spitze muss zuerst den Boden im Wurffeld berühren, braucht aber nicht stecken zu bleiben. Gemessen wird dann von der Einstichstelle bis zum Abwurfbalken. Jeder Athlet hat zunächst drei Versuche, wobei im Folgenden unter den besten acht durch erneute Würfe der Sieger ermittelt wird.
Die Technik des Speerwurfs ist äußerst anspruchsvoll, körperliche Fitness, große Beweglichkeit und gutes Koordinationsvermögen sind Grundvoraussetzungen für Erfolge in dieser Disziplin. Aus Sicherheitsgründen und zur Vorbereitung trainieren Anfänger zunächst mit Bällen und Staffelstäben, bis sie letztendlich an den Speer gelassen werden.


